Wundlexikon
Wundlexikon für die
Fachpraxis - Wundexperten
Das Wundlexikon der Wundexpertenpraxis Steffen Schaller und Kollegen, bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über Fachbegriffe aus dem Bereich der Wundversorgung und Wundbehandlung.
Unser Ziel ist es, medizinische Fachterminologie verständlich zu erklären, um Patienten, Angehörigen und Pflegekräften das Verständnis der komplexen Thematik der Wundversorgung zu erleichtern. Die hier aufgeführten Begriffe werden in der professionellen Wundversorgung regelmäßig verwendet und sollen Ihnen als Orientierungshilfe dienen.
Wunde (Definition)
Eine Wunde ist definiert als Verlust der Integrität der Haut durch exogene oder endogene Faktoren. Dabei kann es sich um akute oder chronische Verletzungen des Körpergewebes handeln, die verschiedene Ursachen haben können.
Akute Wunde
Eine akute Wunde entsteht durch plötzliche Einwirkung und folgt in der Regel einem normalen, phasengerechten Heilungsverlauf. Typische Beispiele sind Schnittwunden, Schürfwunden oder Operationswunden
Chronische Wunde
Eine Wunde, die nach 8 Wochen nicht abgeheilt ist, wird als chronisch bezeichnet. Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch anzusehen sind, da ihre Behandlung eine Therapie der weiterhin bestehenden Ursache erfordert. In Deutschland leiden aktuell mindestens 1 Million Menschen an chronischen Wunden unterschiedlichster Genese.
Wundarten
Dekubitus (Druckgeschwür)
Ein Dekubitus entsteht durch anhaltenden Druck auf das Gewebe, besonders über Knochenvorsprüngen. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung und schließlich zum Absterben des betroffenen Gewebes. Besonders gefährdet sind immobile Patienten.
Diabetisches Fußulkus
Eine chronische Wunde am Fuß, die aufgrund von Diabetes mellitus entstehen kann. Hauptursachen sind Nervenschädigungen (diabetische Neuropathie) und/oder Durchblutungsstörungen (periphere arterielle Verschlusskrankheit).
Platzwunden
Oberflächliche Wunden, die durch stumpfe Gewalt entstehen und typischerweise unregelmäßige, gerissene Wundränder aufweisen.
Schnittwunden
Verletzungen durch scharfe Gegenstände mit glatten, klar definierten Wundrändern.
Schürfwunden
Oberflächliche Verletzungen, bei denen die oberen Hautschichten abgeschürft werden, typischerweise durch Reibung auf rauen Oberflächen.
Stichwunden
Verletzungen durch spitze Gegenstände, die in die Tiefe des Gewebes eindringen und äußerlich oft klein erscheinen, aber tiefere Strukturen verletzen können.
Ulcus cruris venosum
Ein Unterschenkelgeschwür, das durch eine chronische venöse Insuffizienz verursacht wird. Es tritt typischerweise im unteren Drittel des Unterschenkels auf.
Wundheilungsphasen und -prozesse
Exsudationsphase (Reinigungsphase)
Die erste Phase der Wundheilung, in der die Wunde durch körpereigene Mechanismen gereinigt wird. Es kommt zur Ausscheidung von Wundflüssigkeit (Exsudat), die Zelltrümmer und Bakterien aus der Wunde spült.
Proliferationsphase
Die zweite Phase der Wundheilung, in der neues Gewebe gebildet wird. Gekennzeichnet durch die Bildung von Granulationsgewebe und beginnende Wundkontraktion.
Remodellierungsphase (Narbenbildung)
Die letzte Phase der Wundheilung, in der sich das neue Gewebe umstrukturiert und festigt. In dieser Phase nimmt die Reißfestigkeit des Gewebes zu, während Rötung und Schwellung abnehmen.
Wundbeurteilung und Diagnostik
Wundanamnese
Die systematische Erhebung der Krankengeschichte bezüglich einer Wunde, einschließlich Entstehungszeit, -ursache und bisheriger Behandlungsversuche.
Wundabstrich
Entnahme von Probenmaterial aus einer Wunde zur mikrobiologischen Untersuchung auf Krankheitserreger.
Wundassessment
Strukturierte Beurteilung einer Wunde nach verschiedenen Kriterien wie Größe, Tiefe, Wundgrund, Ränder, Umgebung, Exsudat und Schmerz.
Wunddokumentation
Systematische Aufzeichnung aller wundrelevanten Informationen einschließlich Fotos, Messungen und Behandlungsmaßnahmen. Eine sorgfältige Dokumentation ist rechtlich erforderlich und ermöglicht die Verlaufsbeurteilung.
Wundbehandlung
Débridement
Entfernung von abgestorbenem Gewebe, Fremdkörpern und Belägen aus einer Wunde. Dies kann chirurgisch, enzymatisch, autolytisch oder biochirurgisch (Madentherapie) erfolgen.
Moderne Wundversorgung
Wundversorgungskonzept, das die phasengerechte Heilung durch Schaffung eines feuchten Wundmilieus unterstützt und verschiedene spezialisierte Wundauflagen je nach Wundzustand einsetzt.
Klassische Wundversorgung
Traditionelle Methoden der Wundbehandlung, hauptsächlich mit Kompressen, Mullbinden und antiseptischen Lösungen. Wird heute oft durch moderne Methoden ergänzt oder ersetzt.
Wundauflagen und Materialien
Aktivkohle-Wundauflagen
Wundauflagen mit einer Aktivkohleschicht, die Gerüche binden und absorbieren können. Besonders nützlich bei stark riechenden Wunden.
Alginate
Aus Braunalgen gewonnene Wundauflagen, die bei Kontakt mit Wundflüssigkeit ein Gel bilden. Sie können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen und eignen sich für stark exsudierende Wunden.
Aquafaser-Produkte (Hydrofaser)
Hochabsorbierende Wundauflagen, die bis zum 25-fachen ihres Eigengewichts an Wundexsudat aufnehmen können. Anders als Alginate können sie auch auf Wundränder gelegt werden, ohne das Risiko einer Mazeration zu erhöhen.
Antimikrobielle Wundauflagen
Wundauflagen, die mit keimhemmenden Substanzen wie Silber, Polihexanid oder Octenidin ausgestattet sind und bei infizierten oder infektionsgefährdeten Wunden eingesetzt werden.
Hydrokolloidverbände
Selbstklebende, wasserabweisende Verbände, die unter Einwirkung von Wundexsudat ein Gel bilden und so ein feuchtes Wundmilieu schaffen. Sie fördern die autolytische Wundreinigung und schützen vor äußeren Einflüssen.
Wundverbände mit Silber
Wundauflagen, die Silberionen enthalten, die antimikrobiell wirken und bei infizierten Wunden eingesetzt werden können.
Krankheitsbilder mit Bezug zu Wunden
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Eine Durchblutungsstörung, bei der die Arterien in den Extremitäten, besonders in den Beinen, verengt oder verschlossen sind. Dies führt zu einer mangelhaften Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gewebes und kann zu schlecht heilenden Wunden führen.
Diabetes mellitus
Stoffwechselerkrankung, die durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist und durch Gefäß- und Nervenschädigungen zu Wundheilungsstörungen und chronischen Wunden, besonders an den Füßen (diabetisches Fußsyndrom), führen kann.
Postthrombotisches Syndrom
Folgeerscheinung nach einer tiefen Venenthrombose, die zu einer gestörten venösen Durchblutung führen kann. Die Folge ist unter anderem eine Schwellung der Beine durch Wassereinlagerungen (Ödeme), was die Wundheilung beeinträchtigen kann.
Wundmanagement und Zertifizierungen
Wundmanagement
Umfassender Ansatz zur systematischen Versorgung und Behandlung von Wunden, der Diagnostik, Wundbeurteilung, Therapieplanung, Durchführung der Wundversorgung und Evaluation beinhaltet
Wundzentrum
Spezialisierte Einrichtung zur interdisziplinären Behandlung komplexer und chronischer Wunden. Wundzentren können nach bestimmten Kriterien zertifiziert werden, wie beispielsweise das "Wundzentrum Klinik" nach DDG-Kriterien.
Wundmanagement: Ein umfassender Ansatz zur optimalen Wundversorgung
Wundmanagement stellt einen strukturierten, interdisziplinären Ansatz zur optimalen Versorgung von Wunden dar, der weit über die unmittelbare Wundbehandlung hinausgeht. Mit dem Ziel, Heilungsprozesse zu beschleunigen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, umfasst es verschiedene Komponenten von der Anamnese bis zur Dokumentation. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an chronischen Wunden unterschiedlicher Genese, was die immense Bedeutung eines professionellen Wundmanagements unterstreicht. Die folgende Abhandlung beleuchtet die wesentlichen Aspekte dieses Fachgebiets, seine Ziele, Prozesse und die notwendigen Qualifikationen der Fachkräfte.
Definition und Komponenten des Wundmanagements
Unter Wundmanagement versteht man eine strukturierte, interdisziplinäre Versorgung von Wunden, die deutlich mehr als nur die direkte Behandlung umfasst. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Prozess, der alle Aspekte der Wundversorgung integriert und koordiniert. "Unter Wundmanagement versteht man eine strukturierte, interdisziplinäre Versorgung von Wunden, die u.a Wundanamnese, Wundinspektion, Wundbehandlung, Schmerztherapie und Wunddokumentation umfasst".
Die Wundversorgung selbst ist dabei nur ein Teil des umfassenderen Wundmanagements, welches in die Hände spezialisierter Fachkräfte gehört.
Das Wundmanagement umfasst mehrere Kernkomponenten. Zunächst erfolgt eine sorgfältige Wundanamnese, bei der die Krankengeschichte bezüglich der Wunde systematisch erhoben wird. Dies schließt Entstehungszeit, -ursache und bisherige Behandlungsversuche ein. Darauf folgt die Wundinspektion, eine strukturierte Beurteilung nach verschiedenen Kriterien wie Größe, Tiefe, Wundgrund, Ränder, Umgebung, Exsudat und Schmerz.
Die eigentliche Wundbehandlung richtet sich nach dem aktuellen Zustand der Wunde und umfasst verschiedene Maßnahmen wie Reinigung, Débridement und Applikation geeigneter Wundauflagen. Die Schmerztherapie stellt einen weiteren wesentlichen Bestandteil dar, da Wundschmerz die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann.
Ein zentrales Element des Wundmanagements ist die lückenlose Dokumentation des Heilungsprozesses. "Grundlage für ein effektives Wundmanagement ist die lückenlose Dokumentation des Heilungsprozesses durch eine Fachkraft. Dies ermöglicht eine geeignete Behandlung, die auf das jeweilige Wundstadium angepasst ist".
Durch die systematische Aufzeichnung aller wundrelevanten Informationen einschließlich Fotos, Messungen und Behandlungsmaßnahmen wird nicht nur die rechtliche Absicherung gewährleistet, sondern auch die Verlaufsbeurteilung ermöglicht.
Ziele und Grundsätze des Wundmanagements
Das übergeordnete Ziel des Wundmanagements ist die optimale Unterstützung des Wundheilungsprozesses, insbesondere bei chronischen Wunden. "Ziel des Wundmanagements ist es, die Wunde fachgerecht zu versorgen, den Heilungsprozess der Wunde zu beschleunigen und Komplikationen – wie Infektionen oder wiederkehrende Wunden – vorzubeugen". Das Wundmanagement verfolgt dabei mehrere spezifische Ziele.
Die Verkürzung des Wundheilungsprozesses und die Erhöhung der Wundheilungsrate stehen dabei an erster Stelle. Durch eine gezielte, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Therapie kann die Heilungszeit signifikant reduziert werden. Die Anpassung der Therapie an das jeweilige Wundstadium ist dabei essentiell, da verschiedene Wundphasen unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Verbesserung der Versorgungskontinuität, wodurch Behandlungsunterbrechungen vermieden werden können.
Die Vorbeugung von Komplikationen wie Infektionen oder rezidivierenden Wunden spielt ebenfalls eine zentrale Rolle im Wundmanagement. Durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln potentieller Probleme können schwerwiegende Folgen verhindert werden. Die Reduzierung von Schmerzen trägt wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen bei. Nicht zuletzt zielt das Wundmanagement auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit aller an der Behandlung Beteiligten sowie auf eine kontinuierliche Qualitätssicherung ab.
Chronische Wunden als Herausforderung im Wundmanagement
Chronische Wunden stellen eine besondere Herausforderung im Wundmanagement dar und erfordern eine spezielle Expertise. Eine Wunde gilt als chronisch, wenn sie nach acht Wochen nicht abgeheilt ist oder trotz adäquater Therapie nach vier bis acht Wochen keine Heilungstendenz zeigt. In Deutschland leiden schätzungsweise eine Million Menschen an chronischen Wunden unterschiedlichster Genese.
Zu den häufigsten Formen chronischer Wunden zählen das Ulcus cruris venosum (venöses Unterschenkelgeschwür), das diabetische Fußulkus und der Dekubitus (Druckgeschwür). Gemeinsam ist diesen Wunden, dass sie sehr langsam oder nicht ohne professionelle Hilfe abheilen und eine individuelle, stadiengerechte Versorgung benötigen. Die Ursachen für chronische Wunden sind vielfältig und umfassen häufig ein geschwächtes Immunsystem, Wundheilungsstörungen und Durchblutungsstörungen.
Das Management chronischer Wunden erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die lokale Wundversorgung als auch die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankungen umfasst. Der "Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden" aus dem Jahr 2015 bietet hierfür einen strukturierten Rahmen und enthält Informationen zur Versorgung und Dokumentation chronischer Wunden sowie zur Anleitung und Beratung der Betroffenen und ihrer Angehörigen.
Praktische Umsetzung des Wundmanagements
Die praktische Umsetzung des Wundmanagements erfolgt in mehreren Schritten und erfordert ein strukturiertes Vorgehen. Nach der Wundanamnese und -inspektion folgt die eigentliche Behandlung, die an das jeweilige Wundstadium angepasst werden muss.
Wundbettvorbereitung und Wundauflagen
Der erste Schritt in der Wundversorgung ist die Wundbettvorbereitung durch das Débridement. "Bei diesem Schritt werden Exsudat, Debris und Keratosen entfernt, die bakterielle Belastung wird verringert und gleichzeitig wird der Aufbau von gesundem Gewebe stimuliert". Ziel ist es, ein physiologisches Wundmilieu zu schaffen und damit den Heilungsprozess zu fördern. Es stehen verschiedene Formen des Débridements zur Verfügung, darunter chirurgisches, mechanisches, enzymatisches und autolytisches Débridement.
Die Auswahl der geeigneten Wundauflage stellt den zweiten Schritt der Wundversorgung dar und sollte stets auf die jeweilige Wundsituation und -phase abgestimmt sein. "Aufgabe der passenden Wundauflage ist die Exsudatkontrolle, der Schutz der Wunde vor äußeren Einflüssen und die Förderung, bzw. die Unterstützung der Wundheilung". Bei infektionsgefährdeten oder infizierten Wunden steht die antimikrobielle Versorgung im Vordergrund.
Es existiert eine Vielzahl spezialisierter Wundauflagen für verschiedene Anforderungen. Dazu gehören unter anderem Aktivkohle-Wundauflagen, die Gerüche binden können, Alginate, die bei Kontakt mit Wundflüssigkeit ein Gel bilden, Aquafaser-Produkte mit hoher Absorptionsfähigkeit, antimikrobielle Wundauflagen mit keimhemmenden Substanzen wie Silber, Polihexanid oder Octenidin, sowie Hydrokolloidverbände, die ein feuchtes Wundmilieu schaffen und die autolytische Wundreinigung fördern.
Moderne und klassische Wundversorgung
In der Wundversorgung werden zwei grundlegende Ansätze unterschieden: die klassische (traditionelle/konventionelle) und die moderne Wundversorgung. Die klassische Wundversorgung umfasst traditionelle Methoden hauptsächlich mit Kompressen, Mullbinden und antiseptischen Lösungen. Dieser Ansatz wird heute oft durch moderne Methoden ergänzt oder ersetzt.
Die moderne Wundversorgung konzentriert sich auf die Schaffung eines feuchten Wundmilieus, das die phasengerechte Heilung unterstützt. Dabei kommen verschiedene spezialisierte Wundauflagen je nach Wundzustand zum Einsatz. Dieser Ansatz basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und zielt darauf ab, die körpereigenen Heilungsprozesse optimal zu unterstützen.
Qualifikation und Ausbildung im Wundmanagement
Die fachgerechte Versorgung von Wunden, insbesondere chronischer Art, erfordert spezifisches Fachwissen und praktische Erfahrung. Daher kommt der Qualifikation von Fachkräften im Wundmanagement eine besondere Bedeutung zu.
Wundexperten und ihre Ausbildung
Wundmanager oder Wundexperten sind spezialisierte Fachkräfte, die sich im Detail mit Wundarten, Wundheilung, Wundbehandlung und Schmerzmanagement auskennen. "Wundmanager (auch Wundexperten) kennen sich im Detail mit Wundarten, Wundheilung, Wundbehandlung, Schmerzmanagement und ähnlichem aus. Sie wissen, wie spezifische Wunden fachgerecht versorgt werden müssen". Häufig handelt es sich dabei um Pflegefachkräfte mit einer speziellen Weiterbildung.
Die Ausbildung zum zertifizierten Wundmanager umfasst typischerweise 56 Unterrichtseinheiten und 16 Stunden Hospitation, gefolgt von einer Abschlussprüfung.
"Der Leistungsumfang beträgt 56 Lehrstunden und eine 16-stündige Hospitation. Zu den Inhalten der Ausbildung zählen unter anderem die Hautpflege, Wundbeurteilung und -dokumentation, Dekubitus und Infektmanagement". Nach erfolgreich bestandener Prüfung erhält der Teilnehmer ein Zertifikat, das fünf Jahre gültig ist und durch regelmäßige Fortbildungen verlängert werden kann.
Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Wundmanagement-Ausbildung sind in der Regel eine medizinische Grundausbildung und idealerweise mindestens zwei Jahre Berufserfahrung im medizinischen Bereich. "Die Voraussetzungen für die Wundmanager Weiterbildung sehen daher wie folgt aus: Krankenpflegediplom/-examen, abgeschlossene ärztliche Ausbildung, mindestens zweijährige Berufserfahrung".
Weiterführende Qualifikationen
Über die Basisausbildung zum Wundexperten hinaus existieren weiterführende Qualifikationen im Bereich des Wundmanagements. Qualifizierte Wundexperten können sich durch Aufbaukurse zum Fachtherapeuten Wunde weiterbilden. "In 120 Lehrstunden und 40 Hospitationsstunden erhalten die Teilnehmer unter anderem Kenntnisse über den Aufbau und die Organisation einer wundversorgenden Einheit". Themen wie palliative Wundversorgung, Verbrennungen oder postoperative Wundheilungsstörungen stehen ebenfalls auf dem Lehrplan.
Eine weitere Qualifikationsstufe ist der Pflegetherapeut Wunde, der in 92 Unterrichtseinheiten wissenschaftlich orientiertes Arbeiten, Projektmanagement und Selbstpflegemanagement erlernt. Diese höheren Qualifikationsstufen befähigen zu komplexeren Aufgaben im Wundmanagement und zur Übernahme von Leitungsfunktionen in diesem Bereich.
Fazit und Ausblick
Das Wundmanagement stellt einen essenziellen Bereich der modernen Gesundheitsversorgung dar, der durch seinen interdisziplinären und strukturierten Ansatz zur optimalen Versorgung von Wunden beiträgt. Angesichts der demographischen Entwicklung und der zunehmenden Prävalenz chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus wird die Bedeutung des professionellen Wundmanagements in Zukunft weiter zunehmen.
Die erfolgreiche Umsetzung des Wundmanagements erfordert gut ausgebildete Fachkräfte, eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein patientenzentriertes Vorgehen. "Nur wenn alle Akteure Hand in Hand arbeiten, können wir die bestmöglichen Ergebnisse erzielen". Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fachkompetenz durch Fortbildungen und der Austausch zwischen den verschiedenen Professionen sind dabei von zentraler Bedeutung.
Die Etablierung einheitlicher Standards und Leitlinien, wie beispielsweise des "Expertenstandards Pflege von Menschen mit chronischen Wunden", trägt zur Qualitätssicherung im Wundmanagement bei. Durch die konsequente Anwendung evidenzbasierter Methoden und den Einsatz moderner Wundversorgungsprodukte können die Heilungschancen verbessert und die Lebensqualität der Betroffenen gesteigert werden. So bildet das professionelle Wundmanagement eine wesentliche Säule in der ganzheitlichen Versorgung von Patienten mit akuten und chronischen Wunden.
Akute Wunden: Entstehung, Heilungsprozesse und moderne Behandlungsansätze
Akute Wunden stellen eine der häufigsten Verletzungsformen im medizinischen Alltag dar und erfordern ein differenziertes Verständnis ihrer Entstehungsmechanismen, Heilungsverläufe und Behandlungsstrategien. Im Gegensatz zu chronischen Wunden, die durch persistierende Heilungsstörungen gekennzeichnet sind, zeigt die akute Wunde einen vorhersehbaren und zeitlich begrenzten Heilungsverlauf. Dieser Bericht analysiert die pathophysiologischen Grundlagen, klärt diagnostische Kriterien und beleuchtet evidenzbasierte Therapieansätze unter Berücksichtigung aktueller Forschungserkenntnisse.
Definition und Entstehungsmechanismen akuter Wunden
Eine akute Wunde ist definiert als plötzlich auftretende Gewebsläsion, die durch exogene mechanische, thermische oder chemische Einwirkungen verursacht wird. Charakteristisch ist der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem auslösenden Trauma und der Wundentstehung – etwa 85% aller akuten Wunden entstehen durch Alltagsverletzungen wie Schnitte, Schürfungen oder Verbrennungen. Im Gegensatz zu chronischen Wunden, deren Heilung durch systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder periphere arterielle Verschlusskrankheit kompromittiert wird, liegen bei akuten Wunden in der Regel keine grundlegenden Heilungsstörungen vor.
Klassifikation nach Ätiologie
1.Mechanische Wunden:
- Schnittverletzungen durch scharfe Gegenstände (Messer, Glasscherben)
- Platzwunden durch stumpfe Gewalteinwirkung
- Schürfwunden bei Abrieb der Epidermis
- Stichverletzungen mit potenzieller Tiefenausdehnung
2.Thermische Schädigungen:
- Verbrennungen 1.-3. Grades
- Erfrierungen mit Gewebsnekrosen
3.Chemische Läsionen:
- Säure- oder Laugenverätzungen
- Toxische Hautreaktionen
4.Iatrogene Wunden:
- Operationsschnitte
- Punktionsstellen nach invasiven Eingriffen
Pathophysiologie der Wundheilung
Der Heilungsprozess akuter Wunden folgt einem streng regulierten dreiphasigen Modell, das durch zelluläre und biochemische Kaskaden gesteuert wird. Störungen dieses Prozesses führen in 12-15% der Fälle zur Chronifizierung, insbesondere bei infizierten oder unzureichend versorgten Wunden.
Chronische Wunde
Definition
Eine chronische Wunde ist eine Wunde, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums – meist zwischen 4 und 12 Wochen – trotz fachgerechter Behandlung keine Heilungstendenz zeigt oder nicht vollständig verschlossen ist. In der Praxis wird häufig die 8-Wochen-Regel angewendet: Ist eine Wunde nach acht Wochen nicht abgeheilt, gilt sie als chronisch.
Darüber hinaus gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch betrachtet werden, etwa das Ulcus cruris (offenes Bein), das diabetische Fußsyndrom oder der Dekubitus (Druckgeschwür).
Ursachen
Chronische Wunden entstehen meist aufgrund von Grunderkrankungen oder anhaltenden Störungen im Heilungsprozess:
- Durchblutungsstörungen (z. B. periphere arterielle Verschlusskrankheit)
- Chronisch venöse Insuffizienz (z. B. Ulcus cruris venosum)
- Diabetes mellitus (z. B. diabetisches Fußsyndrom)
- Druckschäden (z. B. Dekubitus)
- Immunschwäche oder Mangelernährung
- Infektionen und wiederholte Traumata
Diese Faktoren führen dazu, dass die Wundheilung verlangsamt oder gestoppt wird und die Wunde nicht wie erwartet abheilt.
Typische Formen chronischer Wunden
- Ulcus cruris venosum (offenes Bein bei Venenerkrankungen)
- Diabetisches Fußulkus (bei Diabetes mellitus)
- Dekubitus (Druckgeschwür, insbesondere bei immobilen Patienten)
Symptome und Auswirkungen
Chronische Wunden zeichnen sich durch anhaltende Beschwerden wie Schmerzen, Exsudation (Austritt von Wundflüssigkeit), Geruchsbildung und Einschränkungen im Alltag aus. Sie können zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen und verursachen oft hohe Behandlungskosten.
Diagnostik
Die Diagnostik chronischer Wunden erfolgt strukturiert, häufig nach der sogenannten ABCDE-Regel:
- Anamnese (Krankengeschichte)
- Bakterien (mikrobiologische Diagnostik)
- Clinical Examination (klinische Untersuchung)
- Durchblutung (Gefäßstatus)
- Extras (weitere relevante Faktoren)
Wichtig ist stets die Abklärung und Behandlung der zugrunde liegenden Ursache, um die Heilungschancen zu verbessern.
Behandlung
Die Therapie chronischer Wunden ist individuell und umfasst mehrere Komponenten:
- Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Kompressionstherapie bei Venenerkrankungen, Blutzuckereinstellung bei Diabetes)
- Lokale Wundbehandlung (Débridement, Reinigung, Auswahl geeigneter Wundauflagen)
- Infektionskontrolle (ggf. Einsatz von Antibiotika)
- Schmerzmanagement
- Ernährungsoptimierung und Förderung der Mobilität
Die moderne Wundversorgung setzt auf ein feuchtes Wundmilieu und individuell angepasste Wundauflagen, um die Heilung zu unterstützen und Komplikationen zu vermeiden.
Prognose und Prävention
Die Heilung chronischer Wunden erfordert Geduld und eine konsequente, ganzheitliche Behandlung. Präventive Maßnahmen wie Hautpflege, Vermeidung von Druckstellen, Kontrolle von Grunderkrankungen und eine gesunde Lebensweise können das Risiko für chronische Wunden deutlich senken.
Fazit: Chronische Wunden sind ein komplexes medizinisches Problem, das eine interdisziplinäre und ursachenorientierte Behandlung erfordert. Eine frühzeitige Diagnostik, die Behandlung der Grunderkrankung und eine strukturierte Wundversorgung sind entscheidend für den Heilungserfolg.